Paul Leni, der Mann mit dem genialen Blick

 

Es ist etwas besonderes vier Storyboard Arbeiten in Gouache Technik von Paul Leni zeigen zu können. Sie werden erweitert durch ein Portrait Lenis, des “Mannes mit dem genialen Blick”, welches am besten sichtbar wird, wenn Sie den Blickwinkel ändern. ( Die Arbeit ist in Vorbereitung und wird sobald installiert hier gezeigt ) Den Ausgangspunkt bilden die vier folgenden Arbeiten:

Leben und Wirken

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stuttgart machte der Bankierssohn seine Leidenschaft, das Zeichnen, zum Beruf. In Berlin besuchte er die Akademie der Bildenden Künste. In den 1910er Jahren arbeitete er für das Theater, vor allem für die Meinhard-Bernauerschen Bühnen, stattete das
Lichtspielhaus Wittelsbach am Bayrischen Platz aus und gestaltete Karikaturen, Anzeigen und Filmplakate. Ab 1913 entwarf er auch Filmdekors, zunächst für Joe May und Max Mack. Während des Ersten Weltkrieges eingezogen, drehte er seinen ersten Film als Regisseur, den Dokumentar-Spielfilm Der Feldarzt / Das Tagebuch des Dr. Hart. Ab 1917 arbeitete er wieder in Berlin für die Filmfirma
Projektions-AG Union (PAGU) als Szenenbildner für Ernst Lubitsch und als Regisseur, inszenierte unter anderem den Märchenfilm Dornröschen. Von Paul Leni entworfene Titelseite des Sonderhefts Film der Zeitschrift Das Plakat, Oktober 1920. 1918/19 machte er die „dekorative Ausstattung“ von Joe Mays dreistündigem Monumentalfilm Veritas vincit. Neben der etablierten May-Film GmbH war auch die  künstlerisch ambitionierte Gloria-Film GmbH sein Auftraggeber. Er führte Regie bei Prinz Kuckuck nach dem Roman von Otto Julius Bierbaum, dem Historiendrama Die Verschwörung zu Genua nach Friedrich Schiller, das Kammerspiel Hintertreppe und 1923 den Episodenfilm Das Wachsfigurenkabinett. Wiederholt waren Conrad Veidt und Fritz Kortner Stars seiner Filme. Neben seinen Regie-Arbeiten entwarf Leni weiterhin Szenenbilder für andere Regisseure, vor allem Ewald André Dupont, Joe May, Richard Oswald, Karl Grune, Alexander Korda, Arthur Robison und Michael Kertész, der in Hollywood als Michael Curtiz berühmt wurde.
Gemeinsam mit dem Kameramann und Trickspezialisten Guido Seeber entwickelte Leni 1925/26 eine Serie von acht filmischen Kreuzworträtseln, die als Rebus-Film im Kino gezeigt wurden. Leni blieb aber weiterhin der Bühne verbunden. 1923 eröffnete er am Potsdamer Platz gemeinsam mit dem Komponisten Hans May das Künstlerkabarett Die Gondel, für das neben anderen auch Kurt Tucholsky Lieder verfasste. Für große Kinos in Berlin inszenierte er kurze Bühnen-Prologe, die bei festlichen Premieren vor dem Hauptfilm aufgeführt wurden.

1926 fuhr Leni gemeinsam mit seiner Frau, der Tänzerin Lore Sello, über New York nach Hollywood, wo ihn der Filmproduzent Carl Laemmle engagiert hatte. Leni konnte sich mit vier kommerziell und künstlerisch erfolgreichen Filmen schnell im amerikanischen Studiosystem etablieren, wobei er zugleich mit optischen und inszenatorischen Innovationen aus Europa stilprägend z. B. für die Horrorfilme der Universal Pictures wurde. The Cat and the Canary war die stimmungsvolle Adaption eines Bühnenkrimis vom Broadway, The Man Who Laughs mit Conrad Veidt in der Titelrolle war eine aufwändige Verfilmung des Romans von Victor Hugo, der vor allem in Europa erfolgreich war.

Im Sommer 1929 erkrankte Leni infolge einer Blutvergiftung an einer Herzhautentzündung, an der er im September starb. Er war mit der Tänzerin und Schauspielerin Lore Sello (1899–1989) verheiratet, die ihn um sechs Jahrzehnte überlebte.

Ausgewählte Arbeiten

Filmografie (Auswahl)

Als Filmarchitekt

1913: Ein Ausgestoßener, 1. Teil – Regie: Joe May

1913: Die geheimnisvolle Villa – Regie: Joe May

1914: Der Mann im Keller – Regie: Joe May

1914: Das Panzergewölbe – Regie: Joe May

1915: Der Katzensteg – Regie: Max Mack

1915: Der ewige Friede. Ein Ausgestoßener, 2. Teil

1917: Der Blusenkönig – Regie: Ernst Lubitsch

1917: Der Ring der Giuditta Foscari – Regie: Alfred Halm

1918: Veritas vincit (Eine Filmtrilogie) – Regie: Joe May

1919: Rausch

1919: Die platonische Ehe

1920: Der weiße Pfau – Regie: E. A. Dupont

1921: Die Geier-Wally – Regie: E. A. Dupont

1921: Lady Hamilton – Regie: Richard Oswald

1922: Frauenopfer – Regie: Karl Grune

1923: Tragödie der Liebe (4 Teile) – Regie: Joe May

1924: Die Liebesbriefe der Baronin von S… – Regie: Henrik Galeen

1925: Der Farmer aus Texas – Regie: Joe May

1925: Der Tänzer meiner Frau – Regie: Alexander Korda

1926: Manon Lescaut – Regie: Arthur Robison

1926: Der goldene Schmetterling – Regie: Michael Kertész

Als Regisseur

1917: Dornröschen

1917: Prima Vera

1917: Das Rätsel von Bangalor

1918: Das Tagebuch des Dr. Hart

1919: Prinz Kuckuck

1919: Die platonische Ehe

1921: Die Verschwörung zu Genua

1921: Hintertreppe (gemeinsam mit Leopold Jessner)

1923: Das Wachsfigurenkabinett

1926: Rebus-Film Nr. 1–8 (Kurzfilm-Serie)

1927: Spuk im Schloß (The Cat and the Canary)

1927: Der Chinesenpapagei (The Chinese Parrot)

1928: Der Mann, der lacht

1929: Die letzte Warnung (The Last Warning)