Prof. Theodor Schultz-Wallbaum:  

Bremer, Weser und Worpsweder Motive

Das absolut besondere und einmalige an diesem Konvolut: Auch auf Grundlage dieser Arbeiten wurde Schulz-Wallbaum an die Nordische Kunsthochschule ( NKH ) Bremen berufen und ihm wurde die Professur im Bereich der bildenden Künste zuerkannt. Neben einigen Arbeiten von Schulz-Wallbaum, die mit Mühe noch zu finden sind, sind es diese die den höchsten Stellenwert in Bezug auf die NKH und auf den Raum Bremen, Weser und Worpswede haben.

Künstlerinfo: eigentlich Theodor Schultz, auch Schultz-Wallbaum, dt. Maler, Illustrator, Holzschnitt-Tafelmaler und Graphiker (1892 Gustedt/Harz bis 1977 Bremen), Studium an der Technischen Hochschule Hannover, anschließend Hinwendung zur Kunst und Studium an den Kunstschulen Hannover und Hamburg, nachdem 1. WK in Bremen ansässig, schuf zahlreiche Illustrationen als Holzschnittfolgen zu antiken, biblischen und indischen Texten sowie baugebundene Kunst, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Architekten Eduard Scotland, 1934 Berufung als Professor an die Nordische Kunsthochschule Bremen, tätig in Bremen, Quelle:Thieme-Becker, Vollmer, Dressler

Die Nordische Kunsthochschule (NKH) in Bremen war während der Zeit des Nationalsozialismus die einzige Neugründung einer Kunsthochschule. Sie sollte „schöpfend aus dem Urgrunde deutsch-nordischen Volkstums, mitarbeiten am Aufbau arteigener Kultur im Sinne Adolf Hitlers“ – so das Eingangszitat aus einer Broschüre, die die Aufgaben und Programmatik der NKH, hier noch unter der frühen Bezeichnung Nordische Hochschule für bildende Kunst, im Nationalsozialismus umreißt. Die Kunsthochschule sollte demnach dem Versuch dienen, die NS-Rassenideologie auch auf dem Bereich der Kunst umzusetzen. Abseits dieser Interpretation standen die bedeutenden Arbeiten derProfessoren der NKH für den Ausdruck von Kunst in der Zeit.

Hier sei von vorn herein angemerkt: Die Geschichte der NKH ist, meiner Ansicht nach, noch lange nicht aufgearbeitet. Oft scheint es, man habe an der Aufarbeitung auch kein tieferes Interesse. Im Rahmen meiner Betrachtung zur Historie der NKH ist vorab zu differenzieren: Waren die dortigen Professoren und Studenten überzeugte Nationalsozialisten? Bei vielen, eben auch großen Namen wie Nolde und Mackensen, war dies ganz eindeutig der Fall. Eine weitere Frage ist jedoch stützten sie, in der Ausübung ihrer Kunst, die Ideologien des Nationalsozialismus? Wollten sie in Ausübung ihrer Kunst die Doktrin des Nationalsozialismus fördern?

Hier sehe ich deutliche Unterschiede.

Die NKH wurde am 9. April 1934 gegründet. Die Gründung galt als der „auffälligste Akt bremischer Kunstpolitik“. Sie umfasste neun Abteilungen:

Allgemeine Abteilung für Malerei, Gebrauchsgrafik, Grafik, dekorative Malerei, Zirkelzeichnen, darstellende Geometrie und Schrift (Leiter Wilhelm Tegtmeier )

Abteilungen für bildende Künste (Malerei Carl Horn, Wilhelm Tegtmeier, Theodor Schultz-Wallbaum)),

Gebrauchsgrafik (Ottomar Anton), Grafik (Ottomar Anton, TheodorSchultz-Wallbaum) und Bildhauerei (Ernst Gorsemann),

Abteilungen für Baukunst (Baukunst (Eduard Scotland), Innenarchitektur (Ferdinand Sckopp), Bildhauerei (Ernst Gorsemann), Baukeramik, Dekorative Malerei (Hans Groß)),

 Handwerkliche Fachklassen (Entwurfsklassen fürBaumalerei (Ad. Scharffschwerdt), Raumgestaltung (Ferdinand Sckopp), Metallbearbeitung (A. Berger), Keramik und Töpferei, Mode und Modezeichnen (Frau Lindemann), Weben (Frau Krüger)),

Werkstätten für bildende und handwerkliche Künste (Baumalerei, Metallbearbeitung, Raumgestaltung, Bildhauerei, Keramik, Buchdruckerei, Buchbinderei, Kupferdruckerei, Steindruckerei, Mode und Trachten, Weben),

Ergänzungsunterricht (als Pflichtunterricht für alle Studenten mussten die Fächer „Nationalpolitische Erziehung“, Anatomie, Stilkunde und Kunstgeschichte, Geometrisches und Zirkelzeichnen und Perspektive belegt werden),

 Abendakt (Theodor Schultz-Wallbaum),

Hier also ein  Zeugnis Bremer und Deutscher Kunstgeschichte seiner Zeit, an der damaligen Kunsthochschule für nordische Kultur. Ich biete alle 11 Blätter je einzeln oder zu einem nennenswerten Gesamtgebot an. Alle Blätter sind vor und in der Zeit der NKH, zwischen 1912 und 1936 entstanden. Sie spiegeln, für die Zeit und den Ort des Entstehens, den eher seltener werdenden Kontext expressiven Schaffens auf hohem Niveau.

Beschreibung der Blätter / Alle Blätter signiert und betitelt

Blatt 1, gerahmt, Holzschnitt, Bremen um 1934 Domshof

Gerahmt: 54 mal 75cm im Rahmen / Blatt 50 mal 70cm ca.

Alle folgenden Radierungen auf Bütten, signiert und betitelt

Blatt 2, Am Strom, 45,5 mal 60cm

Blatt 3, Hühnerhof, 52,5 mal 39cm

Blatt 4, Weser, Höhe altes Wehr, 39 mal 53cm

Blatt 5, Blick in den Schnoor mit Katze,  52,5 mal 39cm

Blatt 6, Große Birke Teufelsmoor,  60 mal 45,5cm

Blatt 7, Birkenlandschaft Worpswede, 53,5 mal 39cm

Blatt 8, Weser mit Bock(land) Schiffen, 45 mal 60cm

Blatt 9: Wümme, 39 mal 53cm

Blatt 10:  Kleine (Bock) Mühle 39 mal 53cm

Blatt 11: Große Bockmühle, 45,5 mal 60cm

Dieser einmalige Fundus ist ein absolutes Novum im Rahmen der Historie der NKH und ein Zeugnis der hiesigen Geschichte von Rang. Die oft zweideutige Interpretation der Geschichte der NKH ist anhand dieser expressiven Arbeiten nochmals differenziert zu betrachten.

Eine oft polemisch verallgemeinernde Argumentation zur NKH und der Bedeutung von Kunst in der Zeit von 1933 bis 1945 kann hier kritisch geführt werden. Schulz-Wallbaum gehört mit diesen Werken zu den Künstlern der Stadt, die diese und das Umfeld eindrucksvoll dokumentierten.