Kurt Scheele (* 19. Mai 1905 in Frankfurt am Main; † 9. November 1944 bei Smolensk) war ein deutscher Maler und Holzschneider. Sein unzerstörtes Gesamtwerk umfasst ca. 330 Holzschnitte, 150 Ölbilder, Aquarelle, Gouachen, Kupferstiche, Pinsel- und Federzeichnungen, sowie einige literarische Werke. In den 1930er Jahren erlangte Kurt Scheele internationale Anerkennung. So hat unter anderem 1936 Dwight D. Eisenhower auf einer Ausstellung in New York ein Ölbild von Kurt Scheele erworben. Ab 1937 galten Kurt Scheeles Bilder im nationalsozialistischen Deutschland als „entartet“, so dass Kurt Scheele nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit geriet.

Kurt Scheele 1943

Leben und Werk

Ausbildung

Kurt Scheele begann 1922 seine Ausbildung als Künstler an der Frankfurter Kunstgewerbeschule (Fachschule für Buchgewerbe) bei dem Schriftkünstler und Maler Albert Windisch. Gleichzeitig studierte er an der Offenbacher Kunstgewerbeschule bei dem Gewerbezeichner und Schriftkünstler Rudolf Koch. 1924 wechselte er an die Frankfurter Städelschule zu Franz Karl Delavilla, einem Vertreter des Expressionismus. Hier studierte er vor allem Zeichnen und Malen.

Berliner Impulse

1927 zog Scheele nach Berlin und gehörte in Berlin der Künstlergruppe der „Juryfreien“ und ab 1937 der „Darmstädter Sezession“ an. Zu seinen Freunden zählten u. a. Emil Nolde, Ernst Barlach und viele andere bedeutende Künstler seiner Zeit. In den Jahren bis 1930 unternahm er Studienreisen nach Dänemark, Frankreich, Italien, Norwegen und in die Schweiz. Ab 1929 besuchte er die Malkurse in der von Martin Bloch und Anton Kerschbaumer neu gegründeten Kunstschule in Berlin und wandte sich dem Holzschnitt zu, der zu seinem eigentlichen Metier wurde. Daneben entstanden viele Aquarelle.

Anerkennung

Mit dem Jahr 1929 begann ein großer Reigen an Ausstellungen mit seinen Werken. Teilweise konnte er mehrmals im Jahr allein ausstellen oder sich an Kollektivausstellungen beteiligen, so 1929 in Berlin, 1931 in Ohio/USA, in Potsdam, 1932 in Berlin und Essen, 1933 in Essen, Duisburg, Köln, 1934 in Mannheim, 1935 in Leipzig, 1936 in New York, Frankfurt a. M. und Braunschweig und 1938 in Darmstadt. Museen in Aachen, Düren, Essen, Hannover, Köln, Krefeld, Wuppertal, Chicago und Oslo kauften seine Werke. Scheele galt in dieser Zeit als hochbegabter Künstler.

.Aus dieser Zeit und im Rahmen der Provenienzforschung bestätigt, stammt eine doppelseitige Holzschnittplatte von Kurt Scheele, die hier vorliegt. Die Platte wurde während einer Ausstellung in Hannover von einem Sammler erworben. Ein authentisches Stück aus den Arbeiten von Kurt Scheele. Der klare Blick Scheeles birgt das Geheimnis dieser Milieustudie. Dieser besonders interessante Holzschnitt ist im Shop zu finden. Ein absolut besonderes Angebot.

Holzschnittplatte Kurt Scheele Seite 1
Holzschnittplatte Kurt Scheele Seite 2

Zwei Andrucke auf Reispapier liegen dem Druckstock bei

Verfemung als entartete Kunst

Kurt Scheele, Der Mann, der das Gras wachsen hört, 1937, von den Nationalsozialisten als entartet eingestuft

Indem er sich vom Spätimpressionismus und auch vom Expressionismus allmählich löste und zur künstlerischen Darstellung ohne Bezug zu einer figurativen Realität überging, erregte er das Missfallen des NS-Regimes, das die entsprechenden abstrakten Werke von ihm als „entartet“ einstufte und bereits 1937 sechs entsprechende Werke von Scheele beschlagnahmte. 1939 verschärften die Nationalsozialisten die Maßnahmen gegen Scheele und erteiltem ihm ein generelles Ausstellungsverbot.

Einberufung, Kriegsgefangenschaft und Tod

1940 wurde ihm eine Professur in Kairo angeboten, die er aber wegen des Kriegsausbruchs nicht antreten konnte. Stattdessen wurde er im selben Jahr mit 35 Jahren zum Militärdienst einberufen. Vor dem Hintergrund der Verfemung durch die Nationalsozialisten erscheint dies als weitere politisch motivierte Schikane gegenüber dem Künstler. 1943 zerstörten Bomben sein Berliner Atelier und den größten Teil seiner Werke. An der Ostfront eingesetzt, geriet er in sowjetische Gefangenschaft und starb im November 1944 in oder bei Smolensk. Vermutlich hatte er sich an Fleckfieber oder Typhus infiziert.

Wiederentdeckung

Im September 1965 wurde in Miltenberg eine Gedächtnisausstellung aus Anlass seines 60. Geburtstags eröffnet. Sie zeigte einen umfassenden Überblick über sein Schaffen (Ölgemälde und Holzschnitte). Im November des folgenden Jahres wurden in einer Gemeinschaftsausstellung im Atelier Domo in Wertheim am Main Werke Kurt Scheeles zusammen mit ersten Arbeiten seines Sohnes Claus Scheele (* 1943) gezeigt, der bis heute als Bildhauer tätig ist. Dann dauerte es fast dreißig Jahre bis dem vergessenen Künstler wieder eine eigene Ausstellung gewidmet wurde. Die Werkschau fand am 1. November 1992 in der Galerie Bodo Niemann in Berlin statt. 2005 waren Werke von ihm in der Sammelausstellung „Unser Weg durch die Nacht“ der „Bürgerstiftung für verfemte Künste“ im Museum Baden in Solingen-Gräfrath zu sehen