Folge 2

Um in diese Thematik einzutauchen ist es meiner Ansicht nach nötig, zuerst den Kunstbegriff zu untersuchen.

Der Begriff Kunst ist ein eigenständiges deutsches Wort und unterliegt, in vielen Bereichen und abhängig von der jeweiligen Zeit in er gebraucht wurde, diffizilen Interpretationen. Oft wird recht lapidar angeführt, Kunst käme von Können. Das ist nicht von der Hand zu weisen, da der ursprüngliche Begriff sich darauf bezog und bedeutete, etwas bis zur Erreichung eines Levels der Perfektion gelernt zu haben und ausüben zu können. Einfache Beispiele aus der Vergangenheit wären, um dem Wort eine Entsprechung in diesem Sinn zu geben: Kochkunst, Fechtkunst, Bau -(Ingenieurs) Kunst.

Im Rahmen der sogenannten “schönen Künste” ist diese Anlehnung jedoch nur noch partiell von Bedeutung. Eine allgemein fassende Definition bietet das fogende:

Der Kunstbegriff in umfassender Bedeutung

Es gibt die schönen Künste, aber auch die Ingenieurskunst, die Kunst der Rede oder der Diplomatie, den Ballkünstler, und auf sehr vielen Gebieten den Künstler in seinem Fach. Was ist, in dieser umfassenden Bedeutung, aller Kunst gemeinsam – und was unterscheidet dann die Künstler in den jeweiligen Fächern voneinander? Kunst in diesem sehr weiten Sinn ist eine kreative Tätigkeit (und deren Ergebnis), die mit höchster Effizienz ausgeübt wird; dass also, gemessen an den eingesetzten Mitteln, mit dem Ergebnis eine möglichst große Wirkung erzielt wird. Bei vergleichbarer Wirkung erfährt nicht der höhere, sondern der vergleichsweise maßvollere Aufwand die höhere Wertschätzung als Kunst. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Instrumentarium nur einfach und bescheiden sein müsste oder dass es für den Künstler immer einfach ist, zur einfachsten Lösung eines Problems oder zu den wirkungsvollsten Ausdrucksmitteln zu gelangen.

Die einzelnen Formen von Kunst unterscheiden sich aber in der Art der Wirkung, und diese hängt vom Sachgebiet ab. Das Ziel der Ingenieurskunst ist z. B. die tragfähige und solide Brücke, das Wesentliche am Essay ist die scharfsinnige Analyse, der Schwerpunkt der schönen Künste liegt vorwiegend im Wecken und Anregen von Gefühlserlebnissen. Man kann viele Tätigkeiten als Kunst im weitesten Sinn ausüben; die Kriterien dafür sind Kreativität und Effizienz.

Gemessen daran und bezogen auf die Bereiche der sogenannten schönen Künste, ist Kunst immer eine Form des Ausdrucks, die in ihrer reduzierten Form dem Betrachter die Möglichkeit des Erlebens und der Interpretation gibt.

Eines der wohl berühmtesten und auch einfach verständlichsten Beispiele dafür, sehen wir hier. Absolute Effizienz mit richtungsweisendem Inhalt der Raum zur Interpretation lässt.

Hier wird der Unterschied zum trivialen deutlich. Triviales (Kitsch) bietet dem Betrachter (Erlebenden) keinen Raum. Erweiternd ist für den Kitsch wohl noch anzuführen, dass die Ausführung oft desolat ist.

Hier manifestiert sich auch der Unterschied zum Kunsthandwerk. Das Kunsthandwerk unterliegt einem Zweck. Beispielhaft, das Modell einer Kirche. Diese wird handwerklich perfekt dargestellt. Eine weiterführende Aussage wird nicht getroffen. Es geht einzig um die Darstellung in höchst möglicher Perfektion. Es wird weder überzeichnet noch interpretiert, sondern abgebildet. Eine mögliche Simplifizierung beruht auf der Wahl der zur Darstellung gebrauchten Werkstoffe und Werkzeuge. Das Einbeziehen dekorativer Elemente ändert nicht die deutliche Eingruppierung in das Kunsthandwerk.

Womit klar werden kann, es mag eine Kunst sein etwas herzustellen oder zu sammeln. Kunst wird deshalb dadurch nicht gesammelt.

Kunst und Bildung. Das Erschaffen von Kunst ist unabhängig vom Grad individueller Bildung. Das Verständnis von Kunst kann vom Grad der individuellen Bildung unabhängig sein wird dann aber durch den speziellen Ausdruck des Werkes gefördert. Bildung selbst fördert einfach den Zugang zu möglichen Interpretationen eines Werkes, oder auch zu gesamten Richtungen und öffnet damit Möglichkeiten. Also den Weg zur Kunst.

(Exkurs entartete Kunst) Die bis hierher gebrachte Definition lässt erkennen, dass Kunst sehr wohl einer Richtung folgen kann, aber auf keinen Fall muss. Wird eine Richtung als Zweck und mit Anliegen umkleidet, vorgegeben und dem dann zwanghaft entsprochen, wird dem Künstler sein Anspruch an freiem Ausdruck genommen. Es handelt sich also um die Produktion von Aussagen, die gewünscht sind. Ebenso wie der orginäre Förderer des Begriffes der “entarteten Kunst” selbst nur ein Prozent von gewünschten Abbildungen war. Postkartenmalerei auf dem Niveau ist deutlich nicht als Kunst, zumeist nicht einmal als Kunsthandwerk, sicher jedoch oft als Kitsch zu verstehen.

Kunst kann also politisch sein, lässt sich aber kaum politisieren. Wird sie instrumentalisiert, sollte sich die Frage stellen, ob dies dem künstlerischen Prozess in der Entstehung, seitens des Künstlers willentlich mitgegeben wurde.

Sinn und Anspruch der Kunst liegen in ihr selbst und nicht in dem Anspruch an das Werk oder die Richtung die jemand Drittes daran hat, um damit seine Ziele zu verwirklichen. Folgerichtig ist es also als wenig gebildet zu erachten, Kunst als entartet zu definieren.

Dies als erster Ansatz von mir zur Definition von Kunst. Mit dieser grundsätzlichen Ansicht widme ich mich dem Sammeln von Kunst und evtl. auch Kunsthandwerk.

Wer Kunst sammeln möchte, sollte sich mit der Definition von Kunst im allgemeinen, in der jeweiligen Zeit und zum Thema und/oder Künstler vertraut gemacht haben. Es gilt in manchen Kreisen als wirklich einfach, jemandem der nicht über hinreichendes Wissen verfügt, etwas als Kunst zu verkaufen, das sicher weit davon entfernt ist. Der Interessierte im Bereich des Einstiegs wird sich gerne von salbungsvollen Interpretationen mitreissen lassen.

Die Kunst der Rhetorik ist da nicht zu unterschätzen. In diesem Falle also die Kunst (im alten Sprachgebrauch) der Sprache so weit erlernt zu haben, mit ihrem Einsatz ein Ziel zu erlangen. Eine heute eher kunsthandwerkliche Definition. Kunst in der Sprache würde sich auf einem Niveau spiegeln, dass die Interpretation und den Ausdruck in den Focus bringt. Das Ziel, der Verkauf kann nicht im Vordergrund stehen. Vereinfacht: Verkaufsrhetorik versus Dichtung. Wobei der Dichtung per Definiton per se der Anspruch an Kunst zukommt, weil die Kunst der Verdichtung, des dann mit sprachlichen Mitteln dargestellten, der Definition von Kunst im Sinne von Reduktion mit maximalen Ausdruck entspricht. Aber das nur am Rande.

Also erste Punkte zum Thema Sammeln, auch als Anlage.

  1. Sie sollten wissen was Sie wollen. Thematik, Zeit, Künstler oder Richtung.
  2. Je salbungsvoller Ihnen jemand etwas verkaufen möchte, desto weniger scheint dieser das betreffende zu achten oder verstanden, zumeist beides, zu haben.
  3. Studieren Sie erzielte Preise. (Seriöse Auktionen anerkannter Häuser)
  4. Setzen Sie sich, schon erwähnt in Folge 1, persönliche Limits.
  5. Definieren Sie für sich nochmals, handelt es sich bei einem Objekt um Kitsch, Kunsthandwerk oder Kunst.
  6. Es gilt als Regel: Kisch kostet Geld, Kunsthandwerk erfüllt einen dekorativen Zweck, welchem Sie einen persönlichen Wert beimessen.
  7. Kunst kann neben dem persönlichen, emotionalen Wert den Sie dem jeweiligen beimessen, auch als Wertanlage mit der Chance auf Wertsteigerung gesehen werden.
  8. Alles dazwischen und auch darin ist und bleibt in erster Linie das Terrain der Händler – und ein Händler will, völlig legitim, Geld verdienen. Ihre emotionale Wertbeimessung wird er im Rahmen dessen nutzen.

Ich werde das Thema fortsetzen und freue mich über Feedback in den Kommentaren.

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