Vorab sei angemerkt: Dieser kurze Abriss stellt meine persönliche Meinung dar. Für mich gilt er als Anreiz, sich näher mit dem Thema zu befassen.

Entartete Kunst: Wikipedia gibt eine sehr reduzierte, auf den Punkt gebrachte Übersicht dazu. Der Begriff “entartet” stammt ursprünglich aus dem mittelhochdeutschen und war gleichzusetzen mit “aus der Art geschlagen”. Der Gebrauch war zunächst ein biologischer und wurde dann auf Personen, wie auch auf Verhalten bezogen/übertragen.

Eine zu weilen zu hörende Definition, die sich auf das lateinische arte (Dativ Ars), also aus der Art der Kunst geschlagen, ist völlig nichtig. Ebenso wie eine Verbindung mit Anglizismus Art (Kunst) also “ent-kunstet”.

Die in Deutschland verwandte Definition aus den Jahren ab 1933, im Rahmen der Kulturpolitik der nationalsozialistischen Diktatur, war der Versuch, der Kunst ihr ursprüngliches Moment der Freiheit zu nehmen und sie zu instrumentalisieren. Zielsetzung war, die Beiträge der modernen Kunst zu diffamieren. Dies galt für alle Bereiche, also sowohl Literatur, wie Musik, Film, Malerei als auch Architektur.

Die im Nationalsozialismus geförderten Ausdrucksformen dienten einzig zweckgebundener Orientierung im Rahmen nationalsozialistischer Doktrin. Der Kunst wurde die Aufgabe zugewiesen, diese Doktrin über den in ihr zu findenden Ausdruck zu übermitteln. Dies fand mit der Machtübernahme 1933 sofortige Entsprechungen. Glichen sich Künstler dem nicht an, obwohl oft glühende Nationalsozialisten, wurde deren Kunst als entartet diskreditiert. Emil Nolde und Mackensen waren zwei der großen Namen, mit nationalsozialistischer Gesinnung, die diese jedoch nicht in ihre Arbeit übernahmen. Die Konsequenz war letztlich die Aufnahme in die Liste der “entarteten Künstler”, neben anderen Konsequenzen.

Formen der Instrumentalisierung der Kunst lassen sich natürlich nicht nur im Nationalsozialismus finden. Instrumentalisiert wurde auch vor und nach 1933-1945. Der Punkt dem hier besondere Aufmerksamkeit gilt, ist die Rassenideologie, die dem Begriff des entarteten hinzugefügt wurde. Der Wille eine Rasse als über alles dominierend und mit Anspruch erhaben darzustellen, sowie die Untermenierung aller anderen Gesellschaften und Ethnien bis zur Vernichtung, ist ein relatives Novum in der Form des Umgangs mit Kunst und Künstlern.

Hier eine, unvollständige, Liste mit als “entartet” diskreditierten Künstlern.

Als „entartet“ galten unter anderem die Werke von Ernst Barlach, Willi Baumeister, Max Beckmann, Karl Caspar, Maria Caspar-Filser, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Lovis Corinth, Otto Dix, Max Ernst, Otto Freundlich, Paul Gauguin, Wilhelm Geyer, Otto Griebel, George Grosz, Werner Heuser, Karl Hofer, Karl Hubbuch, Hans Jürgen Kallmann, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Wilhelm Lehmbruck, Elfriede Lohse-Wächtler, Gerhard Marcks, Ludwig Meidner, Paula Modersohn-Becker, Piet Mondrian, Rudolf Möller, Otto Pankok, Max Pechstein, Pablo Picasso, Christian Rohlfs, Oskar Schlemmer, Karl Schmidt-Rottluff und Werner Scholz.

Sofern auf dem Markt freuen wir uns immer diese “Modernisten” zu handeln. Viele weitere Künstler sind der Zeit des Nationalsozialismus auf verschiedenste Weise ums Leben gekommen bzw. um ihr Leben gebracht worden. Weitere Überlebende konnten nach 1945 künstlerisch nicht mehr Fuss fassen.

Werke der großen Namen aus diesem Bereich erfahren nach wie vor auch große Wertsteigerungen. Weniger bekannte, wie zum Beispiel die oben genannten Pankok, Scheele etc. sind am Markt weitestgehend wertstabil. Als Anlage sind sie wenig interessant, da nicht damit zu rechnen ist, dass es einen Trend außerhalb der großen Namen geben wird. Ich persönlich schätze sie dennoch, da durchweg von hohem künstlerischen Wert.

Nationalsozialistische Kunst? Also meiner Ansicht nach Werke von Künstlern, die die Doktrin des Nationalsozialismus mittels ihrer Werke bewusst fördern wollten. Unabhängig davon, ob auf Geheiss, eigenem Antrieb oder einfach nur um sich, aus einer eventuellen Anonymität heraus, einen Vorteil zu verschaffen. Genau das würde ich als nationalsozialistische Kunst betrachten.

Ergänzend dazu geht es jedoch auch um Kunst im Nationalsozialismus. Hier handelt es sich um keinen festgelegten Stil, sondern um Werke im Stile der Kunst, die von den Nationalsozialisten anerkannt wurden und unter dem Namen Deutsche Kunst propagiert wurde. Hier handelte es sich hauptsächlich um die “alten Meister”. Diese wurden aber nicht als bildende Künstler in ihrer Zeit gesehen sondern mit nationalsozialistischer Ideologie befrachtet. Im weiteren handelt es sich um Werke in der Zeit die “dem Deutschtum” Ausdruck verleihen sollten. Der Stil dieser Werke im Bereich der bildenden Kunst ist zumeist an denen “alter Meister” angepasst und reicht bis zu den Stilen antiker Künstler zurück. Dem überwiegende Teil dieser Werke ist gemein, dass sie als “deutsch” empfundenes Kulturgut, als “deutsch” empfundene Tugenden und als “deutsch” empfundenes Streben darstellten. Damit unterscheiden sich diese Darstellungen zumeist jedoch von Kunst im Sinne des Kunstbegriffes. Den Werken haftet somit, vorgegeben und mit wenig Raum zur Interpretation, Richtung und Zweck an. Damit ist es für mich maximal Kunsthandwerk und selbst wenn ohne diese Intention entstanden, wird das Werk damit dazu gemacht, sofern Richtung und Zweck das Einverständnis des Künstlers fanden. Mit diesem möglichen Einverständnis entwertet er das künstlerische in seinem Werk.

Als Beispiel, aus verschiedenen Zeiten verschiedenen Portraits. Zum einen ein Hitler Portrait von Otto von Kursell. Zum anderen ein Portrait Willy Brands von Johannes Heisig (als Beispiel einer Umsetzung im Rahmen von Kunst) eine Darstellung Hitlers von Weishaupt, aus der Reihe Faces of Evil sowie eine grafische Darstellung Hitlers, zur kritschen multimedialen Demontage des Buches “Mein Kampf” von Michael Kubitza und Jürgen P. Lang. Dem folgen Darstellungen Hitlers im Nationalsozialismus, u.a. von Hommels, der von Hitler in den Kreis “der gottbegnadeten Künstler” aufgenommen wurde.

Zur Auseinandersetzung der Moderne mit Hitler, am Beispiel Pablo Picassos, möchte ich hier einen Artikel in der Welt empfehlen, der sich mit auf das Buch​ “Picassos erbitterter Kampf gegen Hitler” von Klepsch bezieht. Das Buch selbst ist eine empfehlenswerte Reise in die Welt der Kunstgeschichte der 20er, 30er und beginnenden 40er Jahre.

In diesem Sinne ist auch ein kurzer Blick auf ein Werk von Max Beckmann zu werfen, “Der Maler den Hitler hasste” titelte einmal die Jüdische Allgmeine.

Wenn nationalsozialistische Künstler wählten, dem richtungweisenden Element der nationalsozialistischen Kunstsicht zu folgen, gaben Sie zwangsläufig ihre künstlerische Freiheit und damit Elemente ihrer Kreativität auf. Auf die gewählte Aufgabe von Kreativität, wenngleich eventuell auch nur in Punkten, folgt die Entmenschlichung der Kunst und des Selbst.


Die Kunst ist nur Kunst, wo sie sich Selbstzweck, wo sie absolut frei, sich selbst überlassen ist, wo sie keine höheren Gesetze kennt als ihre eigenen, die Gesetze der Wahrheit und Schönheit.

Ludwig Feuerbach –

Das Thema der sogenannten “deutschen Kunst” ist weit und ich möchte zur Auseinandersetzung anregen. Machen Sie sich ihr Bild.

Hier komme ich jedoch nun wieder auf den Punkt Markt und “geförderte Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus” zurück. Der Markt, vor allem auf Märkten, ist voll von Kitsch und Kunsthandwerk mit klarem nationalsozialistischen Bezug. Die oft so genannte “Entnazifizierung” von Gegenständen durch Abdecken von Symbolen wirkt hier schon wie ein Lockruf. Händler, es gibt sie wirklich überall, die sich mit diesen Objekten befassen, erzielen maximale Gewinne indem sie den entsprechenden Objekten den Nimbus des “verbotenen” oder nur unter Bedingungen “erlaubten” anheften und ein größer werdendes, williges, Publikum deckt sich ein, um damit Gesinnung zu demonstrieren. Eine Pervertierung dieses Marktes die dem nationalsozialistischen Anspruch an Kunst, Kitsch und Krempel, deutlich entgegengekommen wäre, Das Resultat ist nicht nur eine deutliche Preissteigerung, sondern eine ins aberwitzige verlaufende, steigende Nachfrage. Dies nicht nur in Deutschland, Polen, Österreich, Frankreich und Spanien, sondern vor allem auch in Übersee. Viele Händler nutzen diese Entwicklung und die damit einhergehenden Gewinnchancen skrupellos. Jeder der sich diesem Markt, aus welchen Gründen auch immer widmen will, sollte jedoch wissen, wenige, eventuell längst fällige und in kleinen Schritten auch schon verwirklichte Maßnahmen, reichen um den Markt zusammenbrechen zu lassen. Ein Beispiel dafür ist die kritische Neuauflage von Hitlers Buch “Mein Kampf”. Stiegen die Preise der Originale bis dahin, kam es schon bei Ankündigung der Neuauflage zu einem Preisverfall. Die Spekulanten, Meinungsneutral wie sie gerne angeben, verloren teilweise viel erhofftes Geld. Sobald sich ankündigt, dass das “Entnazifizierungsgebot” nicht mehr zum tragen kommt, gibt es den nächsten Preisverfall in Deutschland und folgerichtig auch weltweit.

Die Objekte die diesem “Entnazifizierungsgebot” nicht unterliegen jedoch eindeutig zuzuordnen sind, werden ebenfalls im Preis fallen. Alle weiteren werden, da nicht offenkundig in Bezug zu setzen, auf ein Mass reduziert werden, das ihrem künstlerischen Anspruch entspricht. Ein Markt auf dem mittelfristig also verloren wird und der, solange noch bedient, einzig eine Rechtfertigung nationalsozialistischer Entmenschlichung ist. Oft finde ich Dinge, die in diesen Markt passen und von Bedeutung im Sinne einer kritischen historischen Auseinandersetzung sind. Diese werden dann ausnahmslos an Museen weitergeleitet. In diesem Sinne schließe ich diese Anmerkungen mit einem Zitat. Ich lade herzlich Sie ein, dem Gedanken zu folgen.

Schuld kann uns (den Nachgeborenen) niemand geben. Verantwortung aber auch niemand nehmen.

Unbekannt-