Lebensdaten * 4.5.1918 Basel, † 15.8.1971 New York
Bürgerort Basel
Staatszugehörigkeit CH, USA
VitazeileBildhauer, Maler und Pädagoge. Ab 1946 in den USA. 1946-1955 Lehrauftrag am Illinois Institute of Technology, Chicago. Vertreter des amerikani-schen Abstrakten Expressionismus
Tätigkeitsbereiche Skulptur, Malerei, Film, Plastik

Hugo Weber wächst in Basel als Sohn einer traditionsreichen Zinngiesserfamilie auf. Nach der Matura am mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium in Basel 1937–39 Bildhauerlehre bei Ernst Suter und Besuch kunsthistorischer Vorlesungen an der Gewerbeschule Basel. 1939 Ausbildung im Atelier Marcel Gimond und an der Académie Colarossi in Paris. Lernt Aristide Maillol und Alberto Giacometti kennen. Durch Vermittlung von Carola Giedion-Welcker Kontakt zu Künstlern wie Sophie Taeuber-Arp, Jean Arp, Georges Vantongerloo, Marino Marini und Constantin Brancusi. Nach dem Aktivdienst 1939–1942 Aufenthalt bei Maillol in Banyuls. Studiert an der Universität Basel 1942–46 Kunstgeschichte, Philologie und Philosophie. Zusammenarbeit mit Jean Arp am Œuvrekatalog von Sophie Taeuber-Arp, Mitglied der Gruppe Allianz. 1946 auf Empfehlung von Sigfried und Carola Giedion-Welcker Berufung an das von László Moholy-Nagy geführte, 1937 als New Bauhaus gegründete Institute of Design am Illinois Institute of Technology (IIT) in Chicago. 1947–1955 Associate Professor und Vorsteher des Foundation Course. Bekanntschaft mit den Künstlern und Architekten Serge Chermayeff, Marcel Duchamp, Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe.

Durch die Einzelausstellung Vision in Flux 1951 im Fine Arts Center in Colorado Springs Einstieg in die Szene des Abstrakten Expressionismus und Ausstellungen bei Betty Parsons, New York. Bekanntschaften mit den Malern Franz Kline, Jackson Pollock, Willem de Kooning und Mark Rothko sowie den Fotografen Harry Callahan und Aaron Siskind.

Nach der Heirat mit der amerikanischen Malerin Anne Childs erhält Weber 1955 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 1955–1960 lebt das Paar in Paris. 1960 Rückkehr nach New York, Ausstellungen in der Howard Wise Galerie, New York. 1964 Tamarind Litho Fellowship in Los Angeles. Wichtige Gastprofessuren: 1951 und 1963 Pennsylvania State College; 1952 Design Education Summer Course in Oslo; 1961 IIT Chicago; 1963 New York University, New York; 1965 University of Southern California, Los Angeles.

Hugo Weber beginnt seine künstlerische Laufbahn als Plastiker bei Ernst Suter. Unter dem Einfluss von Aristide Maillol, dessen Ausstellung er 1933 in der Kunsthalle Basel sieht, folgen erste Porträts und ein Aufsatz über den Bildhauer. In Anlehnung an Jean Arp entstehen 1944–45 biomorphe Plastiken und Porträtköpfe von Künstlerfreunden wie Marino Marini, Jean Arp und ein Selbstbildnis. Als ein wichtiges Werk dieser Entwicklungsstufe bezeichnet der Künstler die Trilogie, drei Gipsreliefs von 1945. Die feine Bearbeitung der an Arp orientierten Form lässt auf eine Auseinandersetzung mit Brancusi schliessen, den Weber in diesem Jahr kennenlernt. Die Beschäftigung mit den geometrischen Reliefs von Sophie Taeuber-Arp führt zu Werken mit spielerischen Elementen (Kugelspiel, 1945). Während seines Aufenthaltes in Paris 1945–46 ist Weber stark von der Ecriture automatique und von Künstlern wie Wols und Alberto Giacometti beeindruckt.

Eine Zäsur bildet die Berufung nach Chicago, die um 1950 zum künstlerischen Durchbruch führt. Neben der Lehrtätigkeit und deren Reflexion in pädagogischen Schriften entstehen 1947–49 in Gips und Aluminium die Anthropomorphical Verticals, deren Längsschnittformen in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Harry Callahan in Bilder, Fotografien (Light drawings), Drahtplastiken und deren Kombinationen übertragen werden. Einzelne oder in Gruppen gestaltete Kompositionen weisen zum Teil auch figürliche, meist weibliche Formen auf, und nach einer Reise in den Südwesten Amerikas schafft Weber Gemälde mit geometrisch vereinfachten Linien (Navajo Country, 1948).

Beide hier gezeigten Blätter können erworben werden. Bitte nehmen Sie dazu Kontakt mit uns auf. Beide Blätter haben die Maße 78 x 107,5 cm, auf Bütten, geprägt. Preis auf Anfrage. Lesen Sie unter dem Konatktformular gerne weiter.

Bitte beweisen Sie ein Mensch zu sein und wählen Sie den Stern aus.

Die Serien Energetic Figures und Vision in Flux markieren einen entscheidenden Neubeginn; die Linie wird zum Ausdrucksträger der spontanen Bewegung. Kalligrafische Zeichen oder Figuren bilden rhythmisch bewegte Kompositionen, die er als Installation aus frei im Raum aufgehängten Bildern in seiner ersten grossen Einzelausstellung Vision in Flux zeigt. Webers gleichnamiger Film dokumentiert die Vision des fliessenden Übergangs von Raum, Werk und Betrachter. Mit grossen gestischen Bildern, die er Energetic Paintings nennt und in der Galerie Betty Parsons’ präsentiert, gelingt ihm der Einstieg in die New Yorker Kunstszene. In den von hellen, fensterartigen Öffnungen dominierten Bildflächen spiegeln sich Webers städtische Umgebung wie auch Natureindrücke aus Skandinavien, das er als Leiter eines Designkurses in Oslo kennengelernt hat. Durch Vermittlung des Fotografen Aaron Siskind kann er intensive Kontakte zu den Künstlern des Abstrakten Expressionismus in New York knüpfen, mit denen er gemeinsam ausstellt.

Bütten auf Packpapier 120 mal 90cm

Der Wechsel nach Paris bewirkt eine vorübergehende Rückkehr zu geschlossenen, meist ovalen Formen. Während der Sommeraufenthalte in Cadaqués, Spanien, 1957–58, entstehen grosse, horizontale, farbige Kompositionen mit Berg-, Meeres- und Küstenformen. Tachistische Grundmuster werden mit verschiedensten zeichnerischen und gestischen Formen kombiniert und in Mischtechnik aufgetragen.

Nach seiner Rückkehr nach New York beschäftigt sich Weber 1961 mit der Person des Architekten Ludwig Mies van der Rohe. In einer Reihe von Zeichnungen und Bildern reduziert er das Porträt seines Freundes auf wesentliche Charakterzüge, in Plastiken steigert er dessen Kopf zu eindringlicher Expressivität. Büsten von Abraham Lincoln (1960) und Jack Greenbaum schlagen einen Bogen zu den frühen Skulpturen. 1963 arbeitet Weber an einer künstlerischen Enzyklopädie von Bildnissen und Gedichten, ohne sie jedoch zu beenden. Das gemalte Porträt des Südstaatengenerals Ulysses S. Grant verwandelt sich während der Arbeit unter dem Einfluss von Jack Kerouac, dem Protagonisten der Beat-Generation, in ein Bildnis des Dichters Edgar Allan Poe.

In der Tradition der Küstenbilder aus Spanien steht die Fluss-Serie mit Bildern wie Aquamia oder Ophelia von 1961. Während diese meist auf blauem Hintergrund basieren, werden in der nachfolgenden Love-Serie die Hauptakzente in Rot, Schwarz und Weiss gesetzt. Die Tamarind-Lithografien von 1964 gehören zu Webers wichtigsten gestisch-kalligrafischen Arbeiten. Anlässlich eines Aufenthaltes in New Mexico entstehen 1965 expressive, teils schemenhafte Gesichter in verschiedenen Techniken. In den späten 1960er-Jahren beschäftigt sich Weber immer ausschliesslicher mit der Darstellung von Gesichtern, Fratzen und Nasen, die in einer Art Comic-Stil imaginäre Dialoge führen. In seinen kunsttheoretischen Überlegungen aus dieser Zeit bedient er sich der Form von Aphorismen und Fragmenten.

Vier Jahre nach Hugo Webers Tod wird 1975 eine erste Retrospektive seiner Werke als amerikanische Wanderausstellung gezeigt, der drei Jahre später eine Einzelausstellung in der Galerie Riehentor in Basel folgt. 1984 realisiert das Kunsthaus Zürich einen Überblick über den Nachlass Hugo Webers. 1999 grosse Retrospektive im Aargauer Kunsthaus Aarau.

Werke: Aargauer Kunsthaus Aarau; Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum; Kunsthalle Basel; Bern, Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur; Berlin, Bauhaus-Archiv; Chicago, The Art Institute of Chicago; Chicago, Illinois Institute of Technology; Cincinnati, University of Cincinnati; Cincinnati, St. John’s Unitarian Church; Kunstmuseum Luzern, Bernhard Eglin-Stiftung; New York, The Museum of Modern Art; Portland, Oregon, Portland Art Museum; Kunsthaus Zürich.

Iris Bruderer-Oswald, 1998, aktualisiert 2012