Der „Art déco“-Stil hat Paris und die Ile-de-France in den 20er und 30er Jahren nachhaltig geprägt.

Worin liegt der Unterschied zwischen „Art Nouveau“ und „Art Déco“? Diese beiden Begriffe werden selbst von Kunstliebhabern allzu häufig verwechselt. Doch der „Art Déco“ ist der Nachfolger des „Art Nouveau“, und beide unterscheiden sich so sehr voneinander wie der Fauvismus vom Kubismus.

Art Nouveau oder Art Déco

Der „Art Nouveau“, im deutschen Sprachraum allgemein als Jugendstil bezeichnet, ist die Kunst der Jahrhundertwende. In Frankreich war er der Stil der Belle Epoque, und seine wesentlichen Merkmale waren geschwungene Linien, Ornamente, florale Motive, Dekors mit unzähligen Details, bunte Farben und prächtige Fenster.

Der „Art Déco“ erreichte seine Blütezeit in den 20er Jahren. Dieses war der Stil der „Goldenen Zwanziger Jahre“, der Moderne, gekennzeichnet durch Symmetrie und Nüchternheit. Seine Ausdrucksformen waren Winkel, geteilte Flächen, Kreise, runde Formen und Oktogone.

Zum „Art Nouveau“ gehören beispielsweise die Pariser Metro-Ein- und Ausgänge von Hector Guimard oder die verrückten Konstruktionen von Gaudi. Der „Art Déco“ wird zum Beispiel durch das New Yorker Chrysler Building oder das Pariser Palais de Tokyo repräsentiert. Diese Stilrichtung, die ihren Namen der 1925 in Paris durchgeführten internationalen Ausstellung der modernen industriellen und dekorativen Künste („Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes“) verdankt, ist die erste künstlerische Bewegung, die sich weltweit verbreitete, zunächst in Europa, dann in allen Ländern der englischsprachigen Welt und sogar in mehreren Städten Chinas, wie Schanghai. Von Kulturzentren, Theatern oder Kinos über Schwimmbäder, Wohngebäude, Kaufhäuser und Geschäfte bis hin zu Restaurants und Gärten, in Paris und der Île-de-France finden Sie typische Beispiele für diese Stilrichtung in Hülle und Fülle!

Art déco

Stilbezeichnung für eine französische und internationale Richtung in Design, Kunstgewerbe, Architektur und bildender Kunst der Jahre 1920-1940. Der Begriff Art déco (abgeleitet von frz. l’ art décoratif = dekorative Kunst) entstand im Zusammenhang mit der Ausstellung «Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes», die 1925 in Paris stattfand.

Die Art déco steht in direkter Nachfolge des Jugendstils, von dem sie zahlreiche Stilmerkmale aufnahm. Formale Ähnlichkeiten zu den Wiener Werkstätten und dem Deutschen Werkbund sind nicht zu übersehen. Neben kubistischen und futuristischen Einflüssen sowie Formelementen des Bauhauses und des niederländischen De Stijl sind insbesondere stilistische Impulse fremder Kulturen zu erwähnen, z.B. der afrikanischen, altägyptischen oder chinesischen Kunst.

Als prägnates Beispiel hier eine Statuette eines Panthers mit hervorgehobenen Elementen des Chinoaise.

Die Art déco bewegt sich zwischen den floralen, rankenden Formen des Jugendstils und den strengen, geometrischen Elementen des Internationalen Funktionalismus, wie sie beispielsweise am Bauhaus oder innerhalb des De Stijl entwickelt wurden. Kennzeichnend ist sowohl ein ausgeprägter ornamentaler Sinn, der sich in üppiger, reicher Dekoration ausdrückt, als auch eine Vorliebe für kostbare, luxuriöse Materialien, wie z.B. Bronze, Ebenholz, Elfenbein, Glas, Kristall, Leder oder Silber.

Ihren größten Einfluss entfaltete die Art déco in der Gestaltung von Mobiliar, Einrichtungsgegenständen (z.B. Keramik), Stoffen und nicht zuletzt im Bereich der Innenarchitektur, die von edlen, spiegelnden Materialien und einem bevorzugten Einsatz geometrischer Hell-Dunkel-Kontraste geleitet wird. Aber auch in der Architektur, Bildhauerei, Gebrauchsgrafik (z.B. Plakatkunst) sowie der Dekorations- und Bühnenmalerei zeigt sich ihre unterkühlte Ästhetik.

In einem anderen Artikel äußerte ich mich zum Wandel in der Kunst im Rahmen politischer Ereignisse in der Zeit des Art Deco. Mitte der 30er Jahre bis in die 40er Jahre hinein ist dies besonders auch in der Bildhauerei und in den Skulpturen des Art Deco zu beobachten.

Als Beispiel führe ich den am Ende des Art Nouveau bis ins ausgehende Art Deco sehr oft dargestellten Panther an. Während anfänglich noch die geschwungene, harmonische Formensprache des Art Nouveau dominierte, änderte diese sich in eine agressive, Motive des Chinoise einbringende Formensprache die den Bedingungen der politischen Situation trotzte. Der Panther, geprägt von Harmonie und Eleganz wird zum agressiven, aufbegehrenden, sich wiedersetzenden Ausdruck auch in diesem Bereich der Kunst.

Während sich die Strömung von Frankreich ausgehend in viele Länder ausbreitete, erreichte sie in den USA ihre größte künstlerische Resonanz. In Design und Kunstgewerbe sind die Glasarbeiten von René Lalique, die Silbergegenstände von Jean Puiforcat, Mobiliar von Pierre Chareau oder Emile-Jaques Ruhlmann, Stoffe und Textilien von Hélène Henry, Keramik von Clarice Cliff und Innenraumgestaltungen von Oliver Bernard oder Donald Deskey hervorzuheben. Außerdem sind die Architekten Robert Mallet-Stevens, Auguste und Gustave Perret sowie weitere Designer wie Jean Dunand, Pierre Legrain oder Paul Follot zu nennen.

In den 1980er-Jahren wurde die Art déco von Architektur und Design der Postmoderne wiederentdeckt, wobei gewisse Gestaltungselemente (wie z.B. spiegelnde Oberflächen oder wertvolle Materialien) Einzug in die künstlerische Formgebung hielten. Als Beispiel mag das Österreichische Verkehrsbüro in Wien (1978) von Hans Hollein erwähnt sein

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