Kunst und Kaufen sind zwei Dinge, die zusammenhängen und doch weit auseinanderzuliegen scheinen. Über die Jahrhunderte hinweg zeigen sich die Moden des Kunstmarktes in diversen Ausprägungen. Große Spekulationsblasen – wie zum Beispiel die Tulpomanie der Niederlande im 17. Jahrhundert – verbinden Kunst- und Geldmarkt.

Das 20. Jahrhundert stellt alle Traditionen auf den Kopf: Marcel Duchamp erklärt Industrieware zur Kunst, Andy Warhol nimmt Supermarktprodukte in seine Bilder auf. Der teuerste Maler des aktuellen Kunstmarktes, Gerhard Richter, zeigt auf seinem Gemälde Mutter und Tochter Brigitte Bardot mit ihrer Mutter beim Einkaufen.

In der Rückschau ist Dürer unangefochtene Nummer eins, wenn es ums Geldverdienen geht. Der Stratege aus Nürnberg führte seine Werkstatt wie ein Unternehmer. Von besonders beliebten Motiven stellte er Druckgrafiken in hoher Auflage her. Für die „Kleine Passion“ als Holzschnitt verlangte er einen Viertel Gulden, für die Kupferstich-Variante schon zwei Gulden. Es gibt Kalkulationen, Dürer könnte insgesamt zwischen 100.000 und 200.000 Blätter verkauft haben.

Und was passiert mit solchen Kassenschlagern? Sie rufen Nachahmer, Kopisten auf den Plan, die am Erfolg dieser Kunst finanziell partizipieren wollen. Schon damals gab es Kriminelle, die das Kürzel „AD“ unter ihre Kopien setzten.

Albrecht Dürers Methode machte Schule. Einer, der die Verbindung zwischen Kunst und Markt grandios beherrschte, war Andy Warhol – gut 500 Jahre später. Er machte überhaupt keinen Hehl aus seiner Lust, möglichst viele Werke massenweise unter die Leute zu bringen. Folgerichtig nannte er seine Werkstatt „The Factory“: Eine Grenzziehung zwischen Kunst und Markt war nicht mehr gewünscht.

 

 

 

 

 

Es ist nicht nur die Nachfrage, die dazu beiträgt, den Kaufpreis der Waren immer höher zu schrauben. Besonders erfolgreich sind diejenigen Künstler, die sich selbst in eine Marke verwandeln. Günther Uecker mit seinen Nagelarbeiten gehört für die Ausstellungsmacher ebenso dazu wie Keith Haring mit seinen minimalen Strichfiguren.

Auch Damien Hirst ist ein Meister der Image-Bildung. Er ging jedoch noch einen Schritt weiter und gründete ein Unternehmen, das restriktiv dafür sorgt, die Produktion seiner Werke und die seines Rufs so zu entwickeln, wie der Künstler sich das vorstellt. Die Preise auf dem Kunstmarkt geben ihm Recht. Was Hirst auf den Markt wirft, wird sofort gierig aufgenommen.

Werke die vor Jahren noch für fünfstellige Beträge zu bekommen waren können heute durchaus für Millionen gehandelt werden. Das Bild „Mutter und Tochter von Gehard Richter wurde zum Beispiel 1974 für 28.000DM von der Ludwig-Stiftung gekauft. Heute würde es in einem zweistelligen Millionenbereich gehandelt werden.

Doch auch der Kauf eines Millionenobjekts dürfte kein Problem mehr sein, denn mittlerweile nehmen Banken auch Kunstwerke als Sicherheiten, und sie gewähren ihren Kunden Kredite für Kunstwerke. Nur wenige Künstler profitieren davon. Die meisten können von ihrer Arbeit noch nicht einmal ihren Lebensunterhalt finanzieren.

Der Warenwert ihrer Arbeit hat Künstler immer wieder beschäftigt. Felix Droese und Joseph Beuys gehören zu den Vertretern, die sich kritisch mit dem Kapitalismus und dessen Auswirkungen auf Kunst und Kultur auseinandersetzten. Beuys’ Text „Kunst = Kapital“ auf einem Geldschein ist Legende. Diesen Künstlern ging es in den Sechziger- und Siebzigerjahren vor allem um die „kulturelle Unterversorgung“ in Deutschland – weniger um ein Unbehagen am Kunstmarkt. Der entwickelte sich in Europa in jenen Jahren erst langsam mit der Gründung des Kölner Kunstmarkts 1967, der heutigen Art Cologne.

Dass Droese vor einigen Jahren Multiples in hoher Auflage für den Discounter Aldi produzierte, hatte noch etwas Missionarisches. Überhaupt war die Künstlergeneration jener Jahre voller Enthusiasmus, wenn es darum ging, mit der Kunst höheren Zielen zu dienen. Aber heute zweifelt am „Warencharakter von Kunst“ keiner mehr. Klaus Staeck schrieb das schon vor 20 Jahren.

Wenn Künstler das nicht akzeptieren, müssen sie sich dem Markt entziehen.

Das versucht Christin Lahr. Sie verkauft ihre Kunstwerke nicht.

Das Museum Schloss Oberhausen überwies ihr, zur Ausstellung „Let’s By it“, der Ausstellung zu Kunst und kaufen 2017 im Schloßmuseum Oberhausen, ein Honorar für ihre Ausstellungsteilnahme. Dass Lahr sich dennoch hinreißen ließ, zur Schau eine verkäufliche Edition aufzulegen, zeigt, dass es anscheinend auch einer so reflektierten Künstlerin nicht möglich ist, sich den Verlockungen des Marktes zu widersetzen.

Wir beteiligen uns mit 80 Exponaten an der 91. Auktion des Auktionshauses Weser am 22.08.2020. Eine Linkliste zu unseren Positionen können Sie hier einsehen……

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