Wortherkunft

Das Wort leitet sich wahrscheinlich von vitrum Romarium „römisches Glas“ ab. Damit wurde früher der Stoff bezeichnet, aus welchem man diese Gläser fertigte, nämlich Bruchstücke altrömischen Glases, wie man sie in Deutschland zur Schmelze benutzte.[1] Die manchmal erwogene Herkunft von niederländisch roemen „rühmen“ ist unwahrscheinlich, zumal niederländisch oe als /u/ und nicht als /ö/ ausgesprochen wird.

Geschichte

Der Begriff tritt zum ersten Mal im Jahre 1501 in Neuss auf. Vorläufer des Römers war der so genannte Berkemeyer-Becher des 16. Jahrhunderts, ein grünes Waldglas mit dickem, mit Nuppen besetztem Fuß, auf dem die Wandung in konischer Form aufsteht. Ein Schaft ist hier nicht auszumachen beziehungsweise wird als verlängerter Fuß sichtbar.

 
Römer und Stengelgläser des Historismus, Rheingauer Weinmuseum, 19. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert wird aus diesem eher groben Formglas der klassische Römer mit geripptem Fußreif, hohlem, mit Beerennuppen besetztem Schaft und Kuppa, die schalen-, apfel-, eiförmig oder bauchig sein konnte. Diese Gläser waren in ganz Deutschland und auch in den Niederlanden verbreitet. Da Waldglashütten nicht signierten, ist die Provenienz selten eindeutig nachvollziehbar.

Bei den Römern im 18. Jahrhundert etabliert sich die heute übliche Kelchform der Kuppa als die Standardform. Mehr Variationen gibt es in den übrigen Teilen des Glases: Der Fuß kann glatt anstatt gerippt sein, es gibt Schäfte ohne Nuppen, und neben das natürliche Grün des Waldglases treten andere Farben (Oliv, Kobaltblau, Braun).

 
Sonderstempel in Form eines „Wein-Römer-Glases“ Stempeldaten: 3550 Langenlois 15. August 1973

Eine große Formenvielfalt entwickelt der Römer des 19. Jahrhunderts. Nuppen sind bei ihm nicht mehr konstitutiv, häufig ganz verschwunden; gelegentlich treten sie aber auch an der Kuppa auf, was beim barocken Römer niemals der Fall war. Es gibt die Kuppa in typischem Waldglas-Grün, das nunmehr artifiziell erzeugt wird, aber auch in allen anderen Farben, häufig aber auch farblos. Emailmalerei und Glasschnitt in den verschiedensten Dekoren (Wappen, Weinlaub, Blüten, geometrisches Ornament) können die Kuppa veredeln. Der Schaft kann gerippt sein wie der Fuß; Schaft und Fuß wachsen häufig zu einer Einheit zusammen. Auch Baluster-Schäfte sind möglich. Fuß und Lippenränder können vergoldet sein.

Alles in allem ist diese Epoche des Historismus in der Glaskunst von dem Bestreben geprägt, die Quintessenz des „Altdeutschen“ schlechthin zu revitalisieren: Komprimiert treffen die verschiedensten Stilelemente vergangener Epochen auf dem Römer des 19. Jahrhunderts zusammen, die Dekore ruraler deutscher Humpen-Malerei, der Glasschnitt des veredelten böhmisch-schlesischen Barockglases, die schlichten Formen des Waldglases, die im nach Mitteleuropa importierten venezianischen Stil beheimateten Baluster. Zusammen ergeben sie Römergläser, die barocken Stil potenziert wiederbeleben, die es in Wirklichkeit im 17. Jahrhundert so aber nie gegeben hat.

Wichtige Produktionsstätten für den Römer des 19. und 20. Jahrhunderts waren die Glashütten Theresienthal, Wadgassen (Villeroy & Boch), Köln-Ehrenfeld und Rheinbach.

Schöne Beispiele barokker Glasmalerei aus der Zeit um 1750 finden sich auf in den Produktionen z.B. der Hütte Brezina. Es handelt sich Volskunst. Zumeist wurden jagdliche Szenen oder die Darstellung von Paaren. Mit Übergang der Glasmalerie auf die ländlichen, weniger geschulten Glasmaler wurden die Bezüge der Malerei fundamentaler und bezogen sich zumeist auf die lokale Volkskunst. Handwerkliche Zentren waren u.a. Böhmisch-Mährische Höhe. Von hier wurden die Gläser auch in großen Stückzahlen exportiert.

Bemalte barokke Gläser wurden gerne, zum Beispiel bei wohlhabenden Bauern und Handwerksmeistern, als Willkommensgläser genutzt. Die hier gezeigten Gläser stammen aus dem Besitz einer Bauernfamilie im Bremer Bockland.

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